Chronik und Porträt des EHC Red Pens Zürich

Filzmatten, Fairness und Friendly Games

Seit 1963 gibt es den EHC Red Pens. Eine ein­ma­lige Geschichte eines Eishockey-Plauschclubs mit langjähriger Tradition.

Anfangs der sechziger Jahre führte die Erziehungs­di­rek­tion des Kan­tons Zürich einen Kurs für Turn­lehrer unter dem Titel „Eishockey in der Schule“ durch. Die Teil­nehmer woll­ten auch danach trainieren und ihrem liebge­won­nen Hobby frö­nen. Um weiter Eishockey spie­len zu kön­nen, beab­sichtigten diese Lehrkräfte, einen Verein zu gründen.

„Bibberle“ – aus Plausch

Anlässlich der 1. Mit­gliederver­samm­lung vom 17. Juni 1963 wur­den weg­weisende Beschlüsse gefasst: Bil­dung eines Vere­ins mit Namen und Statuten, Ein­tritt in den Schweiz­erischen Eishockey-Verband (SEHV),

Train­ing an einem Wochen­abend in Wet­zikon, zusät­zliches Train­ing in Küs­nacht, Berap­pung der finanziellen Fol­gen (was damals einen Jahres­beitrag von 20 Franken pro Mit­glied bedeutete). Der Vor­stand set­zte sich wie folgt zusam­men: als Obmann fungierte Albert Rüegg; als Kassier Georges Spen­gler, beide wohn­haft in Brüt­tisellen; als Trainer Reto Tratschin; als Spielab­macher Nino Marazzi, beide wohn­haft in Zürich.

Ziel und Zweck des Vere­ins war das soge­nan­nte „Bib­berle“ – aus Plausch. „Bib­berle“ deshalb, weil jeder, der den Puck führte, aus lauter Angst, ihn wieder zu ver­lieren, ins Zit­tern — oder halt ins „Bib­berle“ kam…

Aus einem Schreiben des ersten Vere­in­spräsi­den­ten, Albert Rüegg, vom 12. Sep­tem­ber 1965 geht her­vor: „Ab 8. Sep­tem­ber 1965 wird aus dem „Bibberli“-Gebilde ein Verein. Da man all­ge­mein der Ansicht war, „Bib­berli“ töne in den Ohren der Eishockey-Crème leicht ländlich, ging man auf die Suche nach einer aris­tokratis­cher tönen­den Beze­ich­nung. Hier das von der Jury preis­gekrönte End­pro­dukt: EHC Red Pens Zürich.“ – Zwei Jahre nach seiner Grün­dung erhielt der Club also seinen heuti­gen, noch immer wei­therum gefürchteten Namen, und der Jahres­beitrag klet­terte auf hun­dert Franken pro Mitglied.

Punkto Tenue hiess es: rote Leibchen, schwarze Hosen und Strümpfe mit roten und weis­sen Streifen. Da nicht alle Cracks über richtige Bein­schoner ver­fügten, stopften sich einige als Ersatz auch Filz­mat­ten unter die Strümpfe. Filz­mat­ten die damals eigentlich ihren Dienst als Unter­la­gen für Schreib­maschi­nen ver­sa­hen… Am 22. April 1966 wurde der EHC Red Pens defin­i­tiv in den SEHV aufgenom­men; immer­hin umfasste der Verein zu dieser Zeit zwanzig Mit­glieder. An der Meis­ter­schaft hat sich der Club indes nie beteiligt.

Ein reges Vereinsleben

Unter der Führung der späteren Präsi­den­ten Peter Stäheli, Greifensee und des langjähri­gen „Häuptlings“ Reto Tratschin, Rüsch­likon, entwick­elte der EHC Red Pens ein reges und ganz bes­timmt ein­ma­liges Vere­insleben. In den Win­ter­monaten wurde ein­mal pro Woche regelmäs­sig trainiert. Abwech­slung brachten Fre­und­schaftsspiele („friendly games“) mit anderen Plauschvere­inen – „gebib­ber­let“ wurde im einen Fall sogar im Aus­land, gegen eine Auswahl im deutschen Schwen­nin­gen — sowie im Som­mer oder Herbst die Train­ingslager in Ambri, Arosa, Leysin, Lyss, Rap­per­swil, St. Moritz und St. Gallen.

Immer wieder stellte sich die Frage nach geeignetem Train­ing­seis. Nach Aufen­thal­ten in Wet­zikon, Bülach und Rap­per­swil wurde 1988 gle­ich­sam zu einem Schick­sal­s­jahr. Der EHC Red Pens (= „Rot­s­tifte“) umfasste inzwis­chen 36 Mit­glieder, die sich vorab aus Lehrern, dann aber zunehmend auch aus deren Söh­nen und Vertretern aus anderen Berufen zusam­menset­zten. Erschw­erend auf der Suche nach neuen Train­ingsmöglichkeiten wirkte sich die Tat­sache aus, dass die EHC Red Pens-Cracks aus den ver­schieden­sten Orten des Kan­tons Zürich stammten. Da Rap­per­swil den Ver­trag gekündigt hatte, begab sich der EHC Red Pens in der Not nach Seewen im Kan­ton Schwyz. Trainiert wurde regelmäs­sig an Mon­ta­gen, und dies zur aben­teuer­lichen Zeit von 22.10 bis 23.40 Uhr! Erst Mitte der 90er- Jahre fand man wieder in heimis­chere Gefilde zurück, und sei­ther gehört der Verein zur Stammkund­schaft der über­dachten Kun­steis­bahn in Wetzikon.

Ab der Sai­son 1989 / 90 zählten die Rot­s­tifte zu den ersten Mit­gliedern der Zürcher Eishockey-Plauschmeisterschaft (ZEP), die anfangs aus sieben Teams in einer einzi­gen Gruppe bestand. An den meis­ten Zürcher Schulen war inzwis­chen die Fün­f­tage­woche einge­führt, und die Lehrer kon­nten ihre Schlittschuhe auch am Sam­stag Vor­mit­tag schnüren. Jahr für Jahr führte der EHC Red Pens die Fairness-Rangliste der ZEP mit den wenig­sten Strafminuten an; hin­sichtlich anderer Resul­tate traf man den Club jew­eils etwas weiter hin­ten an…

1998 trat der EHC Red Pens aus der ZEP aus. Die teil­weise rup­pige Gan­gart einiger allzu ver­bis­sen kämpfender Geg­ner behagte den meis­ten nicht mehr, denn das Leit­mo­tiv im Verein hiess und heisst heute noch: „Bib­berle“ – aus Plausch!

Der EHC Red Pens jetzt

Aktuell umfasst der EHC Red Pens Zürich 31 Aktivmitglieder. Dass der Verein finanziell auf sicheren Füssen steht, dafür sorgen vorab die Jahresbeiträge der Aktiven in angemessener Höhe. Passivmitglieder und Gönner runden mit ihren Zuwendungen das aus eigenen Mitteln bestrittene Vereinsbudget ab. Der Club trainiert jede Woche von Oktober bis März jeweils am Montagabend in Wetzikon und führt Freundschaftsspiele mit anderen, sportlich und mental gleichgesinnten Teams durch. Der Vorstand setzt sich zur Zeit wie folgt zusammen: Pascal Hager (Präsident/Spielorganisator/Trainer), Bruno Hepp (Kassier), Jens Bürki (Spielberichte/Aktuar/Trainer), Dave Poulton (Beisitzer/Homepage) und Andy Rieger (Captain). Der EHC Red Pens ist ein Eishockey-Plauschclub in traditionellem Sinn geblieben. Gute Kameradschaft wird nach wie vor Gross geschrieben. Jüngere und ältere Semester verschiedenster Berufsgattungen „bibberlen“ in fairem Wettkampf mit dem Puck um Ruhm und Ehre. Sie schätzen es, dass es auf und neben dem Eis nicht immer allzu ernst zu– und hergeht. Im EHC Red Pens hat Neues und Traditionelles nebeneinander Platz. Das kommt auch in seinem uralten „Schlachtruf“ zum Ausdruck: Jedem Plauschteam, das es gegen uns — auf welcher Eisbahn der Alpennordseite auch immer — aufnehmen will, widmen die Rotstifte lautstark „ein dreifaches Bibberly-Hoi-Hoi-Hoi!“. Dass sich die Cracks des EHC Red Pens in ihren schwarz-roten Trikots damit am meisten Mut machen, verstehen alle, die jemals Plauscheishockey gespielt haben, wohl nur zu gut. (kn)